"Gerechtigkeit ist der feste und dauernde Wille, jedem das Seine zukommen zu lassen."

„Justitia est constans et perpetua voluntas ius suum cuique tribuens.“

Ulpian in Justinian´s Pandekten (D. 1,1,10 Pr. )

Die Parabel der Orange

"...jedem das Seine..."
  1. Die arme Mutter zweier Kinder hat nur eine Orange. Beide Kinder streiten, weinen, sind unglücklich. Beide wollen diese letzte Orange.
    Die Mutter will das Beste für beide ihrer Kinder.


    Soll die Mutter die Orange zerschneiden, so dass jedes Kind nur eine halbe Orange bekommt? Oder soll die Mutter eine Münze werfen oder womöglich sogar die beiden Kinder um die Orange kämpfen lassen?

    Die Mutter fragt stattdessen geduldig bis die Kinder in der Lage sind mit ihrem Streiten, Toben, Weinen, Schreien aufzuhören und ihr in Ruhe mitteilen können, was sie wirklich wollen

    „Warum willst Du Georg die Orange unbedingt haben?“

    „Warum willst Du Athina die Orange unbedingt haben?“

    Das eine Kind antwortet:
     „Ich wollte Dir zum Geburtstag heute Nachmittag einen frisch gepressten Orangensaft schenken. Ich möchte die Orange, die Schale ist mir egal.“

    Das andere Kind antwortet:
     „Ich möchte einen Kuchen backen und brauche das Aroma aus der Schale der Orange.“

    Nach Offenbarung der eigentlichen Bedürfnisse ist die Lösung plötzlich ganz einfach und die beiden unterschiedlichen Interessen lassen sich problemlos befriedigen, indem in dieser „Mediation“ durch die liebende Mutter ein Kind die Schale und das andere die geschälte Orange bekommt. Die hier durch authentische Empathie und Geduld gestellte Frage nach dem „Warum“ der einzelnen Bedürfnisse eröffnete den Weg zur Lösung des Konflikts. Die Kinder waren „Meister“ ihres Streits und somit auch „Meister“ seiner Lösung; mussten nur in der durch ihre Mutter gewährten Wertschätzung, Vertrauen und Empathie sensibel „geführt“ werden.

     

Harvard-Orange

Der Begriff „Harvard-Orange“ leitet sich von einem Verhandlungskonzept, welches unter „Harvard-Konzept“ bekannt ist, ab. Das „Harvard-Prinzip“ ist ein wichtiger Baustein bei lösungsorientierten Verhandlungen. Ziel des Harvard-Prinzips ist es, Sach- und Beziehungsebene zu trennen, Interessen auszugleichen und Entscheidungsalternativen unter Verwendung neutraler Beurteilungskriterien zu suchen, um so durch Ermittlung der wahren unterschiedlicher Bedürfnisse eine Befriedigung und Befriedung aller Beteiligten in der

Mediation zu ermöglichen.